Die Burschenschaft

Aufnahme und Lebensbund
Wie und wieso man Burschenschafter wird

Die Mitgliederzahl der 24 in Österreich bestehenden deutschen akademischen Burschenschaften schwankt je Burschenschaft (die gängige Abkürzung für Burschenschaft lautet B!, für die Mehrzahl B!B!) zwischen 60 und 150, wobei im Durchschnitt eine B! rund 80 Mitglieder hat. „Deutsch“ ist hier so zu verstehen wie „Kroatisch“ oder „Slowenisch“ in entsprechenden Vereinen im Burgenland oder in Kärnten. Die Staatsangehörigkeit ist bedeutungslos. Die B! geht davon aus, dass die überwiegende Mehrzahl der österreichischen Staatsbürger der deutschen Volks- und Kulturgemeinschaften angehört. Daraus Anschlusswünsche ableiten zu wollen, ist angesichts der europäischen Einigungsbestrebungen geradezu lächerlich. Nicht minder lächerlich ist der Versuch diverser „antifaschistischer Organisationen“, daraus eine rechtsextreme Gesinnung abzuleiten.

Über die Aufnahme eines neuen Mitgliedes in eine B! entscheidet der Burschenconvent (BC), welcher während des Semesters einmal wöchentlich abgehalten wird. Die Aufnahmeentscheidung hat grundsätzlich einstimmig zu erfolgen, da kein Mitglied gezwungen werden soll, daß eine Neuaufnahme gegen seinen Willen vollzogen wird.

Ein tragender Grundsatz der B! ist das Lebensbundprinzip. Demnach währt die Mitgliedschaft in einer B! grundsätzlich ein Leben lang. Austritte aus eigenem Antrieb sind selten. Allenfalls kommt es zu Ausschlüssen durch Mehrheitsentscheidung der berufenen Gremien, wenn eine weitere Mitgliedschaft des Betreffenden für die B! nicht mehr tragbar erscheint. In diesem Fall steht das Wohlergehen und Ansehen der B! als Gesamtheit im Vordergrund. Um das Risiko einer derartigen Entwicklung möglichst gering zu halten, sind die ersten zwei Semester der Mitgliedschaft gleichsam als Probejahr ausgestaltet.

Die Mitglieder einer B! nennen sich „Bundesbrüder“ und duzen sich, während gegenüber Angehörigen anderer B!B! zu Beginn das respektvolle „Sie“ als Anrede üblich ist. Dies ist eines der Merkmale für die stark ausgeprägte Eigenständigkeit der einzelnen B!B! in Österreich. So hat etwa B! Arminia Graz mit B! Arminia Czernowitz zu Linz lediglich den Namen gemein, ansonsten sind dies völlig verschiedene B!B! mit unterschiedlichen Farben, Bundgeschichte etc. Das generationenübergreifende Miteinander von Bundesbrüdern unterschiedlicher Altersgruppen und verschiedener Berufe in einer B! ist gelebte Verständigung zwischen den Generationen und Berufsgruppen zu beiderseitigem Nutzen. Die jüngeren Bundesbrüder lernen aus der Lebenserfahrung der Älteren, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Für die älteren Bundesbrüder ist die Unbekümmertheit der Jugend ein wichtiger Ausgleich, um eine Erstarrung in eingefahrenen Denkmustern zu vermeiden. Die B! sorgt für die bleibende Verbundenheit ihrer Akademiker zur Stammuniversität.

Burschenschaftlicher Betrieb
Unsere Veranstaltungen und Bräuche

Der Betrieb in einer Burschenschaft zeichnet sich durch eine Fülle von Veranstaltungen zu unterschiedlichen Anlässen aus.
Natürlich wird darauf Bedacht genommen, daß neben Veranstaltungen und Aktivitäten, die in erster Linie der Weiterbildung sowie der politischen Betätigung dienen, auch das gesellige Leben nicht zu kurz kommt. Wie erwähnt, nimmt die lebenslange Mitgliedschaft sowie die lebenslange Freundschaft unter den Mitgliedern einen besonderen Stellenwert ein. Deren Pflege durch entsprechende Zusammenkünfte, bei denen sich Jung und Alt gelegentlich auch mit Familie treffen, ist daher unabdingbar und selbstverständlich.

Die Kneipe

In Fortführung alter studentischer Traditionen bilden die Kneipen den Kern des geselligen Lebens in einer B!. Der geregelte Verlauf einer Kneipe folgt Bräuchen, welche über Generationen gepflegt wurden. Die Kneipe wird von Chargierten geleitet, die in festlichem Wichs gekleidet sind, was den feierlichen Charakter der Veranstaltung unterstreicht. Als Wichs bezeichnet man die aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammende studentische Festtracht, bestehend aus Stulpenstiefeln, weißer Hose, dreiviertel langem Samtrock (genannt Flaus), Stulpenhandschuhen, Schärpe, Barett oder tönnchenförmigem Cerevis als Kopfbedeckung, sowie dem Farbenschläger. Die Kneipe gliedert sich in einen offiziellen und einen inoffiziellen Teil.
Im offiziellen Teil werden die Anwesenden vom Sprecher begrüßt. Sie behalten, um den feierlichen und geordneten Ablauf der Kneipe nicht zu stören, im allgemeinen ihren Sitzplatz an der Kneiptafel. Der Sprecher leitet den Fortgang und kündigt die im Laufe des Abends gemeinsam gesungenen studentischen Lieder an. Dem Anlaß entsprechend, wird üblicherweise eine kurze Rede gehalten. Im Kolloquium (den Pausen zwischen den Ankündigungen des Sprechers, Liedern und Rede) bleibt genügend Zeit für freundschaftliche Gespräche und bundesbrüderlichen Erfahrungsaustausch.
Am Ende des offiziellen Teils treten die Chargierten ab. Im anschließenden inoffiziellen Teil werden Lieder, meist ausgelassener Art gesungen, die dem ungezwungenen Charakter dieses Festabschnittes entsprechen.
Kneipen werden regelmäßig zu Beginn und Ende eines Semesters veranstaltet, um diese feierlich zu begehen. Während des Semesters stehen beispielsweise die als Maibowle bezeichnete Maikneipe, die Sturm- und Maronikneipe, die Hubertuskneipe mit traditionellem Preisschießen, eine Feuerzangenbowle und die als Julkneipe bezeichnete Weihnachtsfeier (Julfest = Mittwinterfest) und andere mehr an. Jede Burschenschaft pflegt unabhängig im Rahmen ihres Semesterprogramms ihre eigenen Veranstaltungen.

Der Kommers

Im grundsätzlichen Ablauf ähnelt der Kommers einer Kneipe. Allerdings findet ein Kommers in weitaus umfangreicherem Rahmen statt und wird zu feierlichen Anlässen durchgeführt. Hier finden sich nicht nur Chargierte der veranstaltenden B!, sondern auch solche anderer Korporationen ein. Mittelpunkt eines Kommerses ist die Festrede. Der präsidierende Chargierte sorgt für den geordneten Ablauf nach althergebrachtem Zeremoniell. Ein Kommers ist im allgemeinen fester Bestandteil jeder korporativen Großveranstaltung und bildet den festlichen Höhepunkt. Anlässe können unterschiedlichster Art sein. So wurden beispielsweise zum tausendjährigen Bestehen Österreichs Millenniumsfeierlichkeiten veranstaltet, in deren Verlauf neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Thematik durch ein Symposion auch die gesellschaftliche feierliche Komponente, unter anderem in Form eines Kommerses, Ausdruck fand.
Kommerse werden häufig in der Öffentlichkeit als Treffen extremistischer Burschenschafter interpretiert, die einer politischen Demonstration dienen. In Wahrheit handelt es sich hierbei um rein gesellschaftliche, traditionelle Formen besondere Anlässe in angemessener, feierlicher Art und Weise zu begehen. So verstehen es die Burschenschaften in Verbundenheit und Brauchtum und Tradition, abseits kurzlebiger Zeitströmungen, Feste zu feiern.

Das Stiftungsfest

Der Höhepunkt im Jahreslauf jeder Burschenschaft ist das Stiftungsfest, das aus Anlass der Gründung der jeweiligen Burschenschaft gefeiert wird. Für gewöhnlich drei Tage treffen sich Aktive, Inaktive und Alte Herren samt Familien, um dieses Fest gebührend zu begehen. Sämtliche Veranstaltungen dieses Stiftungsfestes werden in Couleur besucht, das heißt, mit Band und Mütze und angemessener Kleidung. Zu Beginn findet der Begrüßungsabend statt. Die Alten Herren werden willkommen geheißen, und ein Wiedersehen mit selten anwesenden Bundesbrüdern wird gefeiert.
Tags darauf wird der Farbenbummel abgehalten. Man trifft sich an ausgesuchten Orten mit den Bundesbrüdern und auch Mitgliedern anderer Korporationen, um gemeinsam durch die Stadt zu bummeln und in der Öffentlichkeit Couleur zu zeigen. Nach diversen Beratungssitzungen (Konventen), die in diesem Fall einer Jahreshauptversammlung gleichkommen, geht es abends zum Festkommers, dem feierlichen Höhepunkt des Stiftungsfestes.
Je nach Bedeutung des Stiftungsfestes, also nach Anzahl der zu feiernden Jahre des Bestehens, findet diese Veranstaltung in entsprechenden Räumlichkeiten statt. Die Leitung obliegt wiederum den in Wichs gekleideten Chargierten, wobei zusätzlich auch Chargierte anderer Korporationen die Chargentafel bilden können. Im Mittelpunkt steht meist eine von einem erfahrenen Bundesbruder gehaltene Festrede. Mitglieder eingeladener Korporationen bedanken sich in der sogenannten Redefreiheit vor der Corona (Festversammlung) für die Einladung und überbringen ihre Glückwünsche. Auch auf dem Festkommers werden studentische, dem Anlaß entsprechende Lieder gesungen. Zu runden Stiftungsfesten ist eine Ehrung der verstorbenen Bundesbrüder, sowie eine zusätzliche Rede eines Mitglieds der Aktivitas üblich.
Abschluss des Stiftungsfestes bildet am letzten Tag der Exbummel (Ausflug), der die verbleibenden Teilnehmer an einen gemütlichen, im Umland der Universitätsstadt gelegenen Ort führt. Die Bundesbrüder verbringen dort den Tag gemeinsam mit ihren Familien und lassen in ungezwungener Stimmung das Stiftungsfest ausklingen.

Politische Veranstaltungen

Die Burschenschaft ist bestrebt, ihren Mitgliedern, vor allem den jüngeren, ergänzend zur fachlichen Ausbildung des Studiums eine gediegene Allgemeinbildung zukommen zu lassen.
Dies umso mehr, da in den letzten Jahrzehnten umfassende Bildung im Sinne eines Studiums generale von den Universitäten mehr und mehr vernachlässigt wurde. Hier versucht die Burschenschaft, auch abseits des Zeitgeistes und jenseits von „political correctness“, einen akademischen Ausgleich zu schaffen.
Zu diesem Zweck gibt es folgende Einrichtungen:

Burschenschaftliche Abende (abgekürzt BA) sind interne Vorträge zu geschichtlichen, politischen, wirtschaftlichen, philosophischen, ökologischen und vielen anderen Themen. Im Anschluß an die Vorträge finden in der Regel lebhafte Diskussionen statt, welche die Meinungsbildung in der B! fördern. Ebenso breit gestreut wie das Spektrum der Themen ist die Vielfalt der Referenten. Neben Fachleuten aus Wirtschaft, Politik oder dem Universitätsbereich sowie Alten Herren wird auch jungen Burschenschaftern die Möglichkeit gegeben, Erfahrung in der Ausarbeitung und im Vortrag von Referenten zu sammeln. So muß jeder Fux, bevor er Bursch wird, einen „Burschenvortrag“ zu einem selbstgewählten Thema halten.

Durch Vorträge in der Öffentlichkeit, zumeist in den Räumlichkeiten der Universität, werden Themen von allgemeinem Interesse sachlich behandelt und besprochen. In diesem Rahmen stellen sich die Burschenschafter auch der öffentlichen Diskussion. Dies gilt um so mehr für Podiumsdiskussionen, da hier mehrere Referenten zu einem Thema Stellung beziehen und dadurch eine breite Meinungsvielfalt gegeben ist.

Symposien sind festliche Vortragsreihen zu einem besonderen Anlass (z.B. „1000 Jahre Österreich“), die öffentlich, gewöhnlich auch auf universitärem Boden, abgehalten werden. Bei diesen Veranstaltungen ist die B! bemüht, hochrangige Wissenschaftler und Fachleute als Vortragende zu gewinnen.

Mittels Flugblättern und Informationsständen wollen wir auf aktuelle Probleme aufmerksam machen. Weiters werden dadurch burschenschaftliche Standpunkte einer breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht.

Weitere Veranstaltungen

Bälle: Auch in der Ballsaison ist die Burschenschaft nicht untätig. So veranstalten beispielsweise die Vereinigungen der nationalfreiheitlichen Korporationen der jeweiligen Hochschulorte zu Jahresbeginn Akademikerbälle, die sich großer Besucherzahlen erfreuen. Aus ganz Österreich und Deutschland reisen Mitglieder verschiedenster Korporationen an, um an diesen gesellschaftlichen Höhepunkten im Verbindungsleben teilzunehmen.
Bummel: In der warmen Jahreszeit findet mindestens einmal im Monat der sogenannte Bummel statt. Bei dieser Gelegenheit spaziert man in Farben (mit Band und Mütze) zwanglos entweder durch die Stadt oder trifft sich an der Universität.
Chargieren: Vor allem zu festlichen Anlässen auf der Universität (z.B. bei Promotionen, Sponsionen und Inaugurationen) präsentieren sich die Burschenschaften mit Chargierten. In der Regel treten zwei Mann in Wichs auf. Durch das Chargieren wird die oft eingeforderte Verbundenheit und der Respekt vor der Universität und ihren Würdenträgern zum Ausdruck gebracht. Bei Hochzeiten und Begräbnissen werden aus dem Kreis der Bundesbrüder gleichfalls Chargierte gestellt.
Zwanglose Feste: Es ist ein Anliegen der Burschenschaften, den Studenten Einblick in eine Korporation zu gewähren, um ihnen die Möglichkeit zu schaffen, sich selbst frei von Vorurteilen ein Bild vom Wesen akademischer Verbindungen zu machen. Zu diesem Zwecke veranstalten Burschenschaften neben öffentlich bekannt gemachten Vortragsabenden auf den Universitäten auch allgemein zugängliche, zwanglose Feste, bei denen dem interessierten und offenen Studenten so manches Vorurteil aus dem Wege geräumt werden kann.

Personeller Aufbau
Aus wem sich eine Burschenschaft zusammensetzt

Der Fux
Die ersten zwei Semester einer B! sind als Probejahr anzusehen, wobei die Fuxen (Bezeichnung für Mitglieder im Probejahr) eingeschränkte Mitgliedsrechte genießen.
Vielfach werden Fuxen von Unwissenden als rechtlose Leibeigene der älteren Mitglieder dargestellt, die vornehmlich Bier zu servieren haben und allerlei „Schikanen“ ausgesetzt sind. Dies ist blanker Unsinn. Gerade den Fuxen gilt die besondere Obsorge der älteren Bundesbrüder, da sie letztlich den Fortbestand der B! sichern.
Vielfach werden Fuxen von Unwissenden als rechtlose Leibeigene der älteren Mitglieder dargestellt, die vornehmlich Bier zu servieren haben und allerlei „Schikanen“ ausgesetzt sind. Dies ist blanker Unsinn. Gerade den Fuxen gilt die besondere Obsorge der älteren Bundesbrüder, da sie letztlich den Fortbestand der B! sichern.
Von jeder Verantwortung entlastet werden sie über zwei Semester auf die künftig von ihnen innerhalb der B! zu erfüllenden Aufgaben vorbereitet. Neben den laufenden Unterweisungen durch die Ämterträger sind vor allem zwei Personen in der B! für die Ausbildung der jungen Bundesbrüder zuständig. Zum einen der Leibbursch, ein älterer Bundesbruder, den sich der Neuling als besonderer Freund und Vertrauensperson auserkoren hat. Der Leibbursch wahrt in den ersten zwei Semestern die Interessen seines Leibfuxen in den Entscheidungsgremien der B!. Die besondere Verbundenheit zwischen Leibburschen und Leibfuxen währt grundsätzlich ein Leben lang. Zum anderen der Fuxmajor, der den einmal wöchentlich stattfindenden Fuxenunterricht (auch Fuxenstunde genannt) leitet.
In der Fuxenstunde werden den jungen Bundesbrüdern vom älteren, erfahrenen Fuxmajor die umfassenden Grundlagen burschenschaftlichen  Wissens vermittelt. Die Fuxenstunde dient als Vorbereitung für die Burschenprüfung. Gelehrt und geprüft werden unter anderem die Geschichte der eigenen B!, Grundlagen deutscher Geschichte, studentisches Brauchtum und Liedgut, studentische und gesellschaftliche Umgangsformen, Satzungen und Geschäftsordnung der eigenen B!, der Fechtkomment.
Nach Ablauf von 2 Semestern endet die Probezeit, wobei für den Fuxen noch drei Hürden auf dem Weg zum vollberechtigten Bundesbruder zu nehmen sind. Es sind dies die Burschenprüfung, weiters ein im Rahmen eines Burschenschaftlichen Abends zu einem selbstgewählten Thema zu haltender Vortrag und schließlich eine Schlägermensur. Die Genehmigung aller drei Leistungen erfolgt durch den BC. Nach Erfüllung dieser Aufgaben wird der Fux im Rahmen einer feierlichen Kneipe (der Receptions- oder Burschungskneipe) als vollberechtigtes Mitglied in den inneren Verband der B! aufgenommen, während er als Fux lediglich Mitglied des äußeren Verbandes war.

Der Bursch

Die Zeit als „aktiver Bursch“ beträgt zwischen 3 und 8 Semester und ist jener Abschnitt, in welchem man innerhalb der B! die größte Verantwortung zu tragen hat.
Aus dem Kreise der aktiven Burschen werden am Antrittskonvent eines jeden Semesters die Chargen für das kommende Semester gewählt. Die Chargen sind mit dem Vorstand eines Vereins zu vergleichen. Für einen jungen Studenten ist die Ausübung einer Charge eine einmalige Gelegenheit und Herausforderung, Verantwortung und Führungsaufgaben zu übernehmen und im Rahmen seiner Amtstätigkeit wichtige Erfahrungen zu gewinnen, sowie als Persönlichkeit zu reifen.
Der Vorstand (das Chargenkabinett) einer B! setzt sich im allgemeinen aus dem Sprecher (Obmann), dem Fechtwart (Obmannstellvertreter), dem Schriftwart (Schriftführer) und dem Kneipwart (Kassier) zusammen:

Der Sprecher, aus dem Kreise der aktiven Bundesbrüder für ein Semester gewählt, ist der letztlich verantwortliche Leiter der gesamten B!. Er vertritt die B! in allen Angelegenheiten nach außen, leitet die Beratungen, Kneipen und Feste. Seine Anordnungen sind für alle Bundesbrüder verbindlich. Andererseits ist der Sprecher für all seine Handlungen und Anweisungen unmittelbar dem wöchentlich tagenden Burschenconvent verantwortlich und kann bei Fehlverhalten jederzeit seiner Charge enthoben werden.

Der Fechtwart ist als Leiter des Fechtbetriebes verantwortlich für den Ablauf der täglichen Paukstunden (Trainingsstunden) und vertritt die B! bei Fechtwartsitzungen. Bei diesen vereinbart er Mensuren für seine Bundesbrüder. Aus diesem Grunde muss er über die Stärken der aktiven Burschen anderer B!B! genau informiert sein, da es dem ritterlichen Wesen der Mensur entspricht, möglichst gleichstarke Fechter gegenüberzustellen. Weiters ist er für den gesamten organisatorischen Ablauf von Mensuren verantwortlich.

Der Schriftwart erledigt den gesamten Schriftverkehr der B!. Er erstellt die Aussendungen, berichtet darüber am Burschenconvent und protokolliert die Beratungen.

Der Kneipwart ist für den reibungslosen Ablauf sämtlicher Kneipen, Feste etc. verantwortlich.

Die übrigen Aktiven haben die Chargen zu unterstützen und grundsätzlich an allen Veranstaltungen des Bundes mitzuarbeiten.

Der inaktive Bursch

Frühestens nach 3 Burschensemestern und mindestens 2 genehmigten Mensuren kann der aktive Bursch auf dem Burschenconvent um seine Inaktivierung ansuchen.
In den meisten Fällen erfüllen die Aktiven eine höhere Anzahl an Aktivsemestern und schlagen Mensuren über die Pflichtzahl hinaus, um ihrer B! für längere Zeit mit vollem Einsatz dienen zu können. Diese Entscheidung ist in jedem Fall dem betreffenden Bundesbruder überlassen.

Der alte Herr

Nach Abschluß des Studiums und Eintritt in das Berufsleben stellt der inaktive Bursch einen Antrag auf Aufnahme in die Altherrenschaft. Die Alten Herren ermöglichen durch ihre finanziellen Beiträge die Aufrechterhaltung des Betriebes der B!.
Nach Maßgabe der beruflichen Möglichkeiten nimmt der Alte Herr an den Veranstaltungen seiner B! teil. Darüber hinaus sind es sehr oft Alte Herren, die im Rahmen von burschenschaftlichen Vortragsabenden Interessantes aus ihrem Berufsleben oder Leben zu berichten haben.
In einer B! wird im Zusammenwirken zwischen Alten Herren und jungen Bundesbrüdern jene wesentliche, generationenumfassende Einheit gebildet, die im Gegensatz zur heutigen Ellbogengesellschaft steht und im Grundsatz des Lebensbundprinzips ihre Vollendung findet.

Die Mensur
Das studentische Kulturgut des Mensurfechtens

Kein Bereich des burschenschaftlichen Lebens wird von Unwissenden derart verzerrt und falsch dargestellt wie das studentische Fechten Vom Aufschlitzritual, Salz und Pferdehaar in den Wunden, am Sessel angebundenen Studenten, denen sadistische Kollegen Schnitte im Gesicht zufügen und ähnlichen Schauermärchen ist hier immer wieder zu hören und zu lesen. Mit der Wirklichkeit haben derartige Geschichten freilich nichts gemein.
Das Mensurfechten wird seit Generationen mit nahezu unveränderten Regeln von allen schlagenden Korporationen als studentisches Kulturgut erhalten. Im übrigen ist der Ausdruck schlagende Burschenschaft ein Pleonasmus, da in Österreich von sämtlichen B!B! Mensuren gefochten werden.
Das studentische Fechten ist bis ins Detail reglementiert im Paukbrauch (Fechtkomment – dieser umfasst über 100 Paragraphen), wobei jede Hochschulstadt ihren eigenen Paukbrauch hat, die einzelnen Regelwerke jedoch nur unwesentlich voneinander abweichen. Gefochten wird mit Korbschlägern, einer Waffe, die eine etwa 85 cm lange und mindestens 1 cm breite, beidseitig geschliffene Klinge aufweist und die Hand durch einen Metallkorb schützt.
Im Unterschied zum Sportfechten wird beim Schlägerfechten lediglich der waffenführende (meist also der rechte) Arm bewegt. Die zwei Paukanten stellen sich in einem festen Abstand von etwa einem Meter (dem Mensurabstand) gegenüber auf. Links vom Paukanten steht jeweils der Sekundant, rechts der Testant. Geleitet wird die Mensur von einem Unparteiischen, der keiner der zwei fechtenden B!B! angehören darf. Hier soll auch ein weitverbreitetes Missverständnis ausgeräumt werden: Mitglieder ein und derselben B! fechten natürlich niemals miteinander! Es wird immer mit einem Mitglied einer anderen Korporation gefochten. Der Paukant trägt ein Schutzgewand aus Leder oder Kevlar; der waffenführende Arm ist dick bandagiert und durch einen Lederstulp geschützt, ein Kettenhandschuh ist vorgeschrieben. Der Halsbereich ist durch mehrlagige Seiden- oder Lederbandagen bis zum Unterkiefer bedeckt, über die Augen wird eine Eisengitterbrille gespannt. Der Kopf und das Gesicht bleiben als ungeschützte Trefferfläche frei.
Die Mensur selbst ist in Gänge unterteilt. Ein Gang wird durch das Kommando der beiden Sekundanten bestimmt. Auf das Kommando „Auf die Mensur“ wirft der, rechts vom Paukanten stehende Testant, der zwischen den Gängen und in den Pausen den fechtenden Arm stützt, diesen in die Auslage. Als Auslage bezeichnet man jene Haltung, in der der Fechter den Arm über den Kopf legt, wobei der Korb nach links oben gehalten wird und die Klinge in einem Winkel von etwa 45 Grad nach vorne unten weist. In idealer Auslage ist der Paukant vollständig geschützt. Nun erfolgt vom Gegensekundanten das Kommando „Sie liegen aus“, worauf der erste Sekundant „Los“ ruft. Nach „Los“ hat jeder Paukant vier Hiebe zu fechten, wobei nach dem vierten Hieb die Sekundanten sich zwischen die Fechtenden stellen und den Gang mit einem „Halt“-Ruf beenden.
Die Hiebe werden aus dem Handgelenk und dem Unterarm gefochten, wobei von den Paukanten versucht wird, auch während des Fechtens der Hiebe die Deckung aufrecht zu erhalten. Parieren gibt es bei dieser Art zu fechten nicht. Das Risiko, getroffen zu werden, bestimmt jeder Paukant selbst; je gewagter er seine Hiebe ficht, desto größer ist die Möglichkeit, den Gegner zu treffen, aber auch selbst getroffen zu werden.
Besonderen Wert wird auf eine tadellose Stellung des Paukanten gelegt. Nur der fechtende Arm darf bewegt werden, ansonsten ist in ruhiger, aufrechter Haltung zu verharren. Übermäßiges Bewegen des Oberkörpers, Zurückneigen oder gar Ausweichen vor Hieben wird vom Unparteiischen geahndet und führt zum sofortigen, vorzeitigen Ende der Mensur. Darüber hinaus kann eine Mensur auch durch andere Inkommentmäßigkeiten (z.B. Schlagen unerlaubter Hiebe, Parieren, etc.) vorzeitig beendet werden. Stellt der Unparteiische schwerwiegende Inkommentmäßigkeiten fest, wird das vorzeitige Ende der Mensur durch Erklärung der „Abfuhr“ durch den Sekundanten des betroffenen Paukanten herbeigeführt.
In aller Regel werden derartige Mensuren vom Mensurconvent der B!, der die Fechtleistung des Paukanten anschließend bewertet, nicht genehmigt. Hierdurch wird festgestellt, daß der Paukant den Anforderungen nicht entsprochen hat.
Ein vorzeitiges Ende findet die Mensur auch, wenn einer der Paukanten mehrere schwere Schmisse bezogen hat und der anwesende Paukarzt (der „Bader“) feststellt, daß ein Weiterfechten nicht mehr möglich ist. Derartige Mensuren werden in aller Regel vom Mensurconvent genehmigt. Die Schmisse werden anschließend an Ort und Stelle vom Bader (meist ein Alter Herr der eigenen B!) nach dem neuesten Stand der Medizin, jedoch ohne Lokalbetäubung, genäht.
Endet eine Mensur nicht vorzeitig, so wird sie „ausgepaukt“, daß heißt, es werden 40 Gänge gefochten. Es kommt auch vor, daß keiner der beiden Paukanten einen Schmiß bezieht. Nach dem Ende der Mensur trennen sich die Paukanten mit Handschlag und bleiben, aufgrund des gemeinsamen Mensurerlebnisses, einander häufig in Freundschaft verbunden.
Das Hauptziel einer Mensur ist also keinesfalls der Erfolg im Sinne des sportlichen Sieges, sondern das Erbringen einer bestimmten erwarteten Leistung unter äußersten Bedingungen. Die häufig gestellte Frage nach Sieger oder Verlierer einer Mensur kann also nicht beantwortet werden.
Um die vorgenannte Leistung erbringen zu können, hat jeder Aktive täglich vom Montag bis Freitag eine Stunde zu trainieren. Kraft und Technik werden unter Anleitung eines erfahrenen Inaktiven in der Paukstunde verbessert, wobei jede B! die ihr eigene Art zu fechten, ihre Fechtschule, über Generationen weitergibt und entwickelt. Da das Fechten einer Mensur ein erhebliches Maß an Kraft, technischem Können und innerer Stärke erfordert, ficht ein neues Mitglied frühestens nach anderthalb bis zwei Semestern Paukunterricht seine erste Mensur.
Grundsätzlich sind bei allen B!B! zwischen zwei und vier genehmigte Mensuren Voraussetzung zur Inaktivierung. Im Bestreben, auch auf dem Paukboden zum Ansehen der eigenen B! beizutragen, fechten viele Burschenschaften jedoch weiter Mensuren.
Zusammenfassed ist festzustellen, daß die Mensur ein wesentlicher und sinnvoller Bestandteil des Lebens jeder B! ist. Über den Zweck Mitläufer auszusieben hinaus, ist sie Mittel zu körperlicher Ertüchtigung. Sie schult den Charakter eines jungen Mannes, der Leistungen unter extremen Bedingungen zu erbringen hat. Dabei wird ihm aufgezeigt, wie unerläßlich es ist, sich auf wichtige Ereignisse gewissenhaft vorzubereiten. Der streng reglementierte Ablauf der Mensur zwingt den Paukanten, auch in schwierigen Situationen ein Höchstmaß an Ritterlichkeit und Selbstdisziplin zu wahren. All dies macht die Mensur zu einem geeigneten Mittel der Selbsterfahrung.
Die Tatsache, daß Mensuren auf die Farben („im Namen“) der eigenen B! gefochten werden, stärkt darüber hinaus das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Bundesbrüdern. Das gemeinsame Erlebnis, den Bundesbruder genau in jener, mitunter schwierigen Situation begleiten zu können, in der man auch selbst mehrmals stand, um ihm dabei jene Unterstützung zuteil werden zu lassen, die man selbst einmal benötigte, ist der eigentliche Schlüssel, der jeden Generationsunterschied, jeden Unterschied des Standes überwindet.

Ehre – Freiheit – Vaterland
Kernbegriffe des politischen Selbstverständnisses der Burschenschaft

Die Entstehung der Burschenschaften beginnt in der Spätphase der Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich. Das Wesen dieser Kriege, bzw. der an ihnen beteiligten Truppen, unterschied sich nachhaltig von demjenigen des vorangegangenen 18. Jahrhunderts. Hatte es sich dort bei den Beteiligten um reine Berufsarmeen gehandelt, die ausschließlich dem jeweiligen Landesfürsten verpflichtet waren, wurde der Befreiungskampf jetzt von Volksheeren getragen. Diese setzten sich zu großen Teilen aus Freiwilligen zusammen, zu denen auch zahlreiche Studenten gehörten.
Aus dieser aktiven Teilnahme der Studentenschaft an der militärischen Befreiung erwuchs ihr das Bewusstsein, daß auch für die Gestaltung einer neuen staatlichen Ordnung nach dem Kriege die tätige Mitwirkung der akademischen Jugend notwendig sei. So bildete sich die Burschenschaft als ein, auf das politische Handeln hin ausgerichteter, Zusammenschluss deutscher Studenten.
Diese nach wie vor gültige Ausrichtung der Burschenschaft auf das Politische versteht sich nicht als Verpflichtung an eine spezifische und verbindliche Ideologie oder Partei; ebenso wenig jedoch handelt es sich um eine nur allgemeine Orientierung auf den Bereich des Politischen.
Burschenschaftliches Politikverständnis wird deutlich anhand dreier Grundforderungen, die maßgeblich für das weltanschauliche Denken und das aus ihm schöpfende Handeln sein sollten. Es sind die Begriffe „Ehre – Freiheit – Vaterland“.

Ehre

Im burschenschaftlichen Denken stellt der Begriff der Ehre den zentralen Wert für die Grundlagen des gesellschaftlichen Miteinanders dar. Ehre bezeichnet dabei die einem Anderen von vornherein entgegengebrachte Achtung bzw. das grundsätzliche Ansehen einer jedweden Person. Die Anerkennung der Ehre eines Menschen übersteigt dabei die Verwirklichung eines bloß formal empfundenen Gleichheitsbegriffes, da jene sich auch auf den inneren Wert einer Person bezieht, dieser jedoch im Äußerlichen verharrt.
Als Ehrgefühl bezeichnet man die natürliche Veranlagung des Menschen, denjenigen Werten gerecht zu werden, die in der gesellschaftlichen Auffassung mit der ihm entgegengebrachten Ehre verbunden sind. Hier zeigt sich der bereits zuvor angesprochene Charakter der Ehre, in der äußerlicher und innerlicher Bezug untrennbar vereint sind.
Ehrerweisungen durch Mitmenschen und das eigene Ehrgefühl verursachen beim Einzelnen die Verpflichtung zu einem wertorientierten Leben in allen Bereichen des menschlichen Daseins. Das Bewusstsein der eigenen Ehre und ein mit diesem in Einklang stehendes Handeln bedeutet zudem für das Individuum die Erkenntnis des eigenen, in sich ruhenden Wertes. An dieser Stelle zeigt sich die Ehre mit der Freiheit und der Verantwortlichkeit des Handelns auf engste verknüpft und ist Grundlage für den Maßstab, an dem sich beide angleichen können. Die Ehre zählt zu den höchsten Gütern eines jeden Menschen, und gemäß den zuvor erkannten Merkmalen ist sie zugleich Antrieb, Halt und Voraussetzung für das Wirken des Einzelnen in der menschlichen Gesellschaft.
Die Burschenschaft erachtet die Bedeutung der Ehre für den Zusammenhalt in Volk und Gemeinschaft als maßgeblich. Die Wirklichkeit beweist in dieser Hinsicht die Überlegenheit der Ehre gegenüber rein formalen bzw. rechtlichen Einrichtungen. Aus diesem Grunde setzt sich die Burschenschaft für die Bewahrung und Förderung des Ehrbegriffs in der Gesellschaft, sowie für den Schutz der Ehre des Einzelnen ein.

Freiheit

Mit den Napoleonischen Kriegen fand ein geschichtlicher Abschnitt sein vorläufiges Ende, der ein Vierteljahrhundert zuvor mit der Französischen Revolution begonnen hatte. Unter den Schlüsselbegriffen, welche die Ziele der Revolutionäre kennzeichneten, war es vor allem der Grundwert der Freiheit, der in der Folgezeit das politische Denken in ganz Europa beherrschte.
Dem Bewußtsein der ersten Burschenschafter jedoch galten Freiheitsideale und die damit verbundene Forderung nach Freiheitsrechten keinesfalls als sich erstmalig bekundende Neuigkeiten; vielmehr betrachteten sie Freiheit als alten, grundlegenden Wert deutscher Volkskultur, der seit dem Ausgang des Mittelalters mehr und mehr an Kraft und Wirkung verloren hatte, und der nun zu neuer Geltung gebracht werden sollte.
Einer Charakterisierung der sich entwickelnden burschenschaftlichen Freiheitsauffassung muß eine Begriffserläuterung in einem weiteren Sinne vorangehen.
Freiheit im allgemeinen läßt sich beschreiben, als die Abwesenheit äußerer Zwänge und Bindungen. Daraus ergibt sich für den Einzelnen die Freiheit als ein Naturrecht, welches es dem Willen ermöglicht, in Wort oder Tat Niederschlag zu finden; begrenzt nur dort, wo die Freiheitsrechte eines anderen beginnen.
Ferner ist der Begriff der Freiheit nicht nur anzuwenden auf Einzelpersonen, sondern betrifft in gleichem Maße gesellschaftliche Zusammenschlüsse bis hin zu Nationen und Staaten.
Das burschenschaftlich Freiheitsverständnis geht nun über die genannten Gesichtspunkte des Freiheitsbegriffes hinaus, wobei die angesprochenen Kennzeichen lediglich als die Grundlagen gelten, aus denen sich Freiheit entwickeln kann. Das Fehlen von Zwängen allein ist noch keine Freiheit; wirkliche Freiheit erwächst erst aus der tätigen Umsetzung der dadurch gegebenen Möglichkeiten, also in aktiven Handeln. Somit beinhaltet der burschenschaftliche Freiheitsbegriff auch eine Verpflichtung, nämlich die zu einem von verantwortlichem und verantwortungsbewußten politischen Handeln geprägten Leben.

Vaterland

So wie Ehre und Freiheit Werte darstellen, die ihren Ausgangspunkt im Bewußtsein der Einzelperson nehmen, sind sie andererseits nur in Zusammenhang mit dem Leben in einem Gemeinwesen denkbar. Die Umsetzung der Ideale Ehre und Freiheit in die Wirklichkeit bedarf eines klar umrissenen Rahmens, innerhalb dessen ihre Gültigkeit durchgesetzt und bewahrt werden kann. Die Erfahrungswelt zeigt, daß ein wertorientiertes gesellschaftliches Leben sich dort am nachhaltigsten in die Tat umsetzen läßt, wo bereits eine grundlegende Bindung der Gesellschaftsmitglieder durch gemeinsame Sprache, Geschichte, Kultur und Herkunft vorhanden ist. Insbesondere das Freiheitsideal lässt sich nur innerhalb des politischen Organisationsmodells der Nation verwirklichen. Dieser enge Bezug von Freiheitsideal und Vaterlandsbegriff ist grundlegend für das burschenschaftliche Denken.
Ähnlich dem rein individualistisch geprägten Freiheitsbegriff der französischen Revolution, galt auch deren Ideal des Weltbürgertums den ersten Burschenschaftern als eine fremde Idee, die sich im Tross der napoleonischen Heere in Deutschland Eintritt verschafft hatte. In dieser geschichtlichen Situation entstand ein burschenschaftlicher Vaterlandsbegriff, der auf dem mitteleuropäischen Konzept der volkstumsbezogenen Kulturnation gegründete. Unter Kulturnation ist dabei eine Lebens- und Schicksalsgemeinschaft von Menschen mit dem Bewußtsein gleicher politisch-kultureller Vergangenheit bzw. Herkunft zu verstehen. Abgelehnt wurde dagegen der westlich, d.h. französische und später auch der angloamerikanische Entwurf einer Willensnation, in die der Einzelnen nach Belieben ein- bzw. wieder austreten kann. Diese begrifflichen Grundlagen bildeten den Ausgangspunkt für die Entwicklungsgeschichte der burschenschaftlichen Auffassung des Vaterlandsbegriffs.
Die Burschenschaft bekennt sich zur deutschen Geschichte und Kulturnation und tritt ein für die Förderung des Nationalbewußtseins und die Bewahrung der Eigenständigkeit und Erneuerung der deutschen Kultur.