et lux perpetua luceat eis

Es ist schon etwas paradox, unserem Lebensbundprinzip ausgerechnet an einem Ort der Verblichenen so nahe zu sein wie kaum anderswo und zu keiner anderen Veranstaltung im Jahr als beim Gräberbummel. In kleinem Kreise gedenken zu dieser Zeit des Jahres auch wir unserer Verstorbenen. Bewusst sprechen wir nicht von ehemaligen Bundesbrüdern, sondern von Bundesbrüdern, deren Zeit unter den Sterblichen bereits abgelaufen ist. Nicht von uns gegangen, sondern immer noch in unserer Mitte verweilen sie dort wo ihr Geist, wo unser Geist weiterlebt. Burschenschafter wird man als junger Student, aber man bleibt es für sein Leben. Und darüber hinaus.

Die Aktiven besuchen in dieser letzten Oktobernacht, die ganz den Toten gehört, die finalen Ruhstätten ihrer Alten Herren sowie die Gedenkstätten für die Gefallenen und Vertriebenen der letzten Kriege, um ihnen Licht zu geben in die ewige Finsternis. Im Schein der Flammen glänzt vom vormals kühlen Grab das Gold unseres Bandes, mit welchem ihr Schwur erneuert wird. Und wir, die wir noch schreiten auf dieser Welt, erneuern zugleich den unseren. Geeint durch das Rot-Weiß-Goldene Band bekommt in einem solchen Moment voller ernster Tristesse und heiterer Anekdoten, der schon manchen Geist wiederaufleben ließ, auch der junge Fux, der erst Jahre nach dem Ableben eines Alten Herren aktiv wurde, die Möglichkeit, diesen noch ein wenig kennenzulernen – als seinen Freund und Bruder.

Den Hinterbliebenen unserer Bundesbrüder möchten wir dies auch in kraftzehrenden Stunden ins Gedächtnis rufen, dass niemand, der nicht mehr unter uns weilt, auch gestorben ist, solange noch jemand eine Geschichte über ihn erzählen kann. Und solange jemand weiter an seiner, an unserer gemeinsamen Geschichte Cheruskiae weiterschreibt.

Fiducit!